Samstag, 16. August 2014

Krankheit als Weg zu neuen Freunden

Man glaubt es kaum, wieviele Menschen heute 300 Onlinefreunde haben, aber am Wochenende einsam oder alleine sind. Mittlerweile hat sich diese traurige Tatsache ja schon rumgesprochen und immer mehr Leute landen hier im Portal um Leute zu treffen, die auch keine Lust mehr auf Facebook & Co. haben. Im Krankheitsfall kann es für einsame Menschen wirklich hart oder schwierig werden, alleine über die Runden zu kommen. Manchmal allerdings kann eine Krankheit oder zeitweilige Behinderung - die man ja niemand wünschen möchte - auch zeigen das viel mehr kontaktfreudige und freundliche Leute auf der Welt sind, als man glauben mag.

Wenn nichts mehr geht

Nach einem schmerzhaften Sportunfall in diesem Sommer, konnte ich selbst für 3 Wochen nicht mehr gehen. Ohne Krücken war Bewegung unmöglich. Ein Fuß bzw. Bein durfte den Boden unter keinen Umständen berühren. Auto fahren war gestorben. Alltägliche Dinge wie einkaufen, waschen, duschen, arbeiten oder den Hund ausführen waren von jetzt auf sofort unmöglich. Nach dem ersten Schock kamen die Schmerzen. Dann stürmten tausend Fragen auf mich ein - alle hatten damit zu tun wie das alles praktisch geregelt werden könnte. Dabei war es ganz einfach, weil es garnicht anders ging. Ich war ein Stück weit ausgeliefert. Freunde und Nachbarn legten sich mächtig ins Zeug und boten sich an für all die Fahrten und Einkäufe, den Hund und den Müll zu sorgen bzw. Unterstützung zu leisten. Als Teil einer Unabhängigkeitsgesellschaft fiel mir das "empfangen" zunächst nicht leicht, dann aber wuchs die Freude über die vielen kleinen Angebote und Freundlichkeiten.

Zum Arzt gegangen und Freunde gefunden

Wer sich einen roten VW zulegt, sieht bald überall nur noch rote VWs rumdüsen. Ähnlich war es mit den Krücken. Ich sah permanent wieviele Leute eigentlich Probleme mit dem gehen haben, in Rollstühlen sitzen oder gerade selbst Krücken benutzen müssen. Man grüsst sich. Man lächelt und empfindet Mitgefühl. Das fühlte sich merkwürdig aber gut an. Egal ob im Supermarkt, beim Arztbesuch oder im Sanitätshaus - Menschen machen Platz, öffnen Türen und werfen einem mitfühlende Blicke zu. Ich habe bemerkt: Oftmals kommt man ins Gespräch wenn man Hilfe braucht und bereit ist sie anzunehmen. Sogar im Wartezimmer verbinden unliebsame Situationen, Verletzungen oder Krankheiten. Gespräche und Kontakte entstehen fast automatisch.

Es gibt Menschen die behaupten, ein Hund würde die Kontakttüren zu anderen Menschen bei Spaziergängen schneller öffnen als jede andere Möglichkeit. Das dachte ich selbst auch. Bis die Krücken kamen. Also nicht warten bis man vielleicht selbst welche braucht, sondern einfach auf die Menschen zugehen, die offensichtlich Hilfe brauchen. Die Welt ist voll davon!

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